
Ausstellungsvernissage: Neu geritzt und alt geschrieben

Unter dem Titel „Neu geritzt und alt geschrieben“ präsentieren ab dem 6. November Udo Würtenberger und Werner Oppel Arbeiten zu Gedichten der jüdischen Zeichnerin und Dichterin Else Lasker-Schüler (1869–1945), einer Zeitgenossin des in Calw geborenen Literaturnobelpreisträgers Hermann Hesse. Während Udo Würtenberger mehrfarbige Holzschnitte zu Gedichten Else Lasker-Schülers gefertigt hat, hat Werner Oppel die Gedichte kalligraphisch umgesetzt. Lasker-Schüler (1869–1945) zählt zu den bedeutendsten Dichterinnen des deutschen Expressionismus. Die in Elberfeld, heute ein Stadtteil Wuppertals, geborene jüdische Künstlerin prägte über Jahrzehnte die Berliner Kulturszene. Neben Gedichten, Prosatexten und Theaterstücken schuf sie ein umfangreiches zeichnerisches Werk. In ihren Bildern und Texten entwickelte sie eine fantasievolle Welt, in der sich biblische Motive, orientalische Erzählwelten und persönliche Erfahrungen verbinden. Zu ihren bekanntesten Werken gehören die Gedichtbände „Hebräische Balladen“ und „Mein blaues Klavier“. 1932 erhielt sie den Kleist-Preis. Vor der nationalsozialistischen Verfolgung floh sie 1933 in die Schweiz. Ihre letzten Lebensjahre verbrachte sie in Jerusalem, wo sie am 22. Januar 1945 starb.
Der Holzschneider Udo Würtenberger, 1938 in Karlsruhe geboren, lebte viele Jahre in Calw-Hirsau, bevor er 2008 nach Berlin zog. Als Lehrer unterrichtete er unter anderem Kunst an der Calwer Badstraßenschule. Seine künstlerischen Fähigkeiten entwickelte er als Autodidakt; seit seiner Pensionierung 2001 widmet er sich ganz der Kunst. Im Mittelpunkt seines Schaffens steht der Holzschnitt, den er auch für Buchillustrationen und bibliophile Ausgaben nutzt. Eine besondere Verbindung zu Calw bilden seine mehrfarbigen Holzschnitte zu Hermann Hesses Märchen „Der Zwerg“. Auch das Leben des Hirsauer Klosterpatrons Aurelius setzte er in einem grafischen Zyklus um.
Werner Oppel aus Calw beschäftigt sich mit Kalligraphie und der handwerklichen Gestaltung von Schrift und Büchern. Ein Beispiel seiner buchkünstlerischen Arbeit ist die 1997 in der Calwer Zwiebelfisch-Presse erschienene „Vita sancti Aurelii“, die Lebensbeschreibung des Hirsauer Klosterpatrons. Für die auf 100 Exemplare begrenzte Ausgabe übernahm Oppel Handsatz und Druck. Den von Theo Klüppel übersetzten Text setzte er im traditionellen Bleisatz; die Illustrationen steuerte der Holzschneider Udo Würtenberger bei. Auch mit sakraler Kunst ist Oppel in Hirsau präsent: Zum 950-jährigen Kirchweihjubiläum von St. Aurelius im Jahr 2021 fertigte er zwei Aurelius-Ikonen für die Hirsauer Kirche und die italienische Partnergemeinde Gabiano an.
Else Lasker-Schüler (1869–1945) zählt zu den bedeutendsten Dichterinnen des deutschen Expressionismus. Die in Elberfeld, heute ein Stadtteil Wuppertals, geborene jüdische Künstlerin prägte über Jahrzehnte die Berliner Kulturszene. Neben Gedichten, Prosatexten und Theaterstücken schuf sie ein umfangreiches zeichnerisches Werk. In ihren Bildern und Texten entwickelte sie eine fantasievolle Welt, in der sich biblische Motive, orientalische Erzählwelten und persönliche Erfahrungen verbinden. Zu ihren bekanntesten Werken gehören die Gedichtbände „Hebräische Balladen“ und „Mein blaues Klavier“. 1932 erhielt sie den Kleist-Preis. Vor der nationalsozialistischen Verfolgung floh sie 1933 in die Schweiz. Ihre letzten Lebensjahre verbrachte sie in Jerusalem, wo sie am 22. Januar 1945 starb.
Der Eintritt zur Vernissage (Beginn: 19 Uhr) ist kostenlos, Spenden für das Projekt Kultur-Apotheke sind willkommen. Die Ausstellung ist bis Mitte Dezember jeweils freitags von 15 bis 18 Uhr sowie samstags von 10.30 bis 14 Uhr und bei Veranstaltungen sowie nach vorheriger telefonischer Vereinbarung unter der Telefonnummer +49 1 55 66 62 21 29.

